Der Jugend eine Stimme geben!

Politik über Jugend darf nicht ohne die Jugend gemacht werden. Diese Forderung klingt logisch, ist aber noch längst nicht Realität. Um dieses Ziel zu erreichen leisten zwei junge Deutsche gemeinsam mit anderen jungen Menschen anderer Nationen harte Arbeit bei der UN.

Die deutsche Jugend vor den Vereinten Nationen in New York vertreten? Diesen Job haben seit März 2017 bis März 2018 Anaïk und Mio als UN Jugenddeligierte. Seit dem Frühjahr tourten sie durch ganz Deutschland, um mit den jungen Menschen vor Ort zu sprechen und ihre Probleme, Ängste und Wünsche kennenzulernen. Zusätzlich hospitierten sie unter in zwei Ministerien der Bundesregierung. Ihre Erfahrungen und Forderungen teilten sie nun in ihrer Rede vor dem dritten Ausschuss der Generalversammlung der UN in New York. Unser Autor Jonas hatte die Möglichkeit, Anaïk im Anschluss einige Fragen über ihre Arbeit zu stellen.

Jonas: Was war der Zweck eurer New York Reise und wie genau sah sie aus?

Anaïk: Als Jugenddelegierte sind wir Teil der deutschen Delegation zur UN. Wir haben eine Rede vor dem 3. Ausschuss der Generalversammlung gehalten, der für Soziales und Humanitäres zuständig ist. Außerdem haben wir zusammen mit den belgischen, bulgarischen und tschechischen Jugenddelegierten ein Side Event organisiert, bei dem es darum ging, wie mit Engagement in Jugendverbänden und Sportgruppen die Jobchancen für junge Menschen verbessert werden können. Wir nehmen auch an den Verhandlungen zur Jugendresolution teil und beraten die deutsche Delegation dahingehend, was junge Menschen in Deutschland für Forderungen und Ideen haben, die in die Resolution mit aufgenommen werden sollten.

Was habt ihr erreicht?

Die Verhandlungen sind noch nicht beendet, deshalb wissen wir noch nicht, welche unserer Forderungen in der Resolution angenommen werden, aber die deutsche Delegation hat unsere Änderungswünsche eingebracht, Jugendpolitik und Jugendpartizipation inklusiv zu machen und in formelle und informelle Bildung zu investieren. Gemeinsam mit anderen Jugenddelegierten werben wir auch dafür, dass der Schutz von Jugendlichen vor Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aufgenommen werden soll, wahrscheinlich werden wir das aber nicht durchsetzen können, weil noch immer zu viele Staaten Homosexualität ablehnen.

Welche Themen waren euch in eurer Rede besonders wichtig? (Anm. d. Red. die Rede könnt ihr hier ab Minute 49:30 verfolgen)

Wir haben in unserer Rede angesprochen, dass viele Jugendliche in Deutschland sich Sorgen machen, weil das politische Klima sich zunehmend radikalisiert und Diplomatie durch Demonstrationen militärischer Stärke ersetzt wird. Außerdem haben wir zu Abrüstung aufgerufen und darüber gesprochen, dass den schönen Worten der UN zu Klimaschutz, Gleichberechtigung und Jugendpartizipation endlich Taten folgen müssen, besonders im Hinblick auf die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele.

Habt ihr eure Rede selbst verfasst?

Wir haben unsere Rede selbst verfasst, die deutsche Delegation hat nur drüber gelesen um sicher zu gehen, dass wir keinen diplomatischen Fauxpas begehen.

Wie wurden diese Themen zuvor erarbeitet?

Wir sind seit März durch Deutschland gereist und haben mit jungen Menschen über die UN gesprochen und sie nach ihren politischen Forderungen und Hoffnungen und Ideen für die Zukunft gefragt. Wir haben dann versucht eine Rede zu schreiben, die die Stimmung dabei wiedergegeben hat.

Wie war während eurer gesamten Tätigkeit der Umgang mit Politikern und UN-Beauftragten? Wurdet ihr als gleichwertig akzeptiert?

Mit wenigen Ausnahmen wurden wir ernst genommen und wert geschätzt. Bei unseren Hospitationen im Auswärtigen Amt und im BMFSFJ (Anm. d. Red.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) hatten wir spannende und konstruktive Diskussionen, aber beispielsweise beim Termin mit dem UN Generalsekretär hatten wir ein wenig das Gefühl, dass Jugendbeteiligung zwar möglich ist, aber keinen ausreichenden Stellenwert hat, als dass er sich Zeit für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit uns genommen hätte.

Was war bisher eure schönste Erfahrung in eurer Funktion als UN-Jugenddelegierte?

Die Rede vor dem 3. Ausschuss der Generalversammlung halten zu dürfen, war definitiv ein Highlight unserer Reise zu den UN. Aber auch der Austausch mit den Jugenddelegierten aus anderen Ländern war beeindruckend und motivierend, weil wir viele engagierte, kritische junge Menschen kennengelernt haben, die versuchen, Veränderungen zu erreichen.

Was war eure bisher schlechteste Erfahrung in eurer Funktion als UN-Jugenddelegierte?

Auch wenn es ein wichtiges Zeichen ist, dass die UN Jugenddelegierte unterstützt und Möglichkeiten zur Partizipation schafft, war es manchmal frustrierend, dass sich Jugendliche oft nur zu vermeintlichen „Jugendthemen“ äußern dürfen, obwohl wir konstruktive und innovative Ideen zu allen politischen Themenbereichen haben.

Wie lange seid ihr noch im Amt und was müssen andere junge Menschen tun, damit sie euch folgen können?

Wir sind noch bis März im Amt. Die Ausschreibung für unsere Nachfolge wird bald hier online sein.
Bewerben können sich alle deutschen Staatsbürger*innen zwischen 18 und 21 Jahren, die Interesse an internationaler Politik haben, englisch sprechen und idealerweise in einem Jugendverband aktiv sind.

Was sind eure Wünsche für die Jugendpolitik der Zukunft?

Ideal wäre es, wenn wir zukünftig keine Jugenddelegierten mehr bräuchten, weil junge Menschen in alle politische Entscheidungen eingebunden werden und junge Menschen ungeachtet ihres Alters in Funktionen kommen können, in denen sie Politik gestalten können.

Freut ihr euch schon wieder auf euer privates Leben nach der Tätigkeit als Jugenddelegierte oder habt ihr euch so für die Politik begeistern können, dass ihr demnächst auch ein politische Amt anstrebt?

Wir haben die Vor- und Nachteile des Auswärtigen Dienstes kennen gelernt – beides sind gute Optionen. Mal schauen, was die Zukunft bringt…

Vielen Dank!

Mehr über die UN Jugenddeligierten erfahrt ihr auf ihrer Website oder bei Facebook.

Jonas

(22) aus der schönen Hansestadt Bremen schaut lieber Bundestag als Bundesliga. Er hat die Briskly-Familie als Papa zusammengeführt und verfolgt seitdem 24/7 nur ein einziges Ziel: Make Journalism Great Again!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.