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Warum Gleichberechtigung viel mehr als nur ein Hashtag ist.

Letzte Woche war es so weit, am Mittwoch den 11.10.2017. Einige werden sich beim Lesen vermutlich die Frage stellen, welche Party genau sie schon wieder im Zeitalter scheinbar endloser Social-Media-Veranstaltungseinladungen vergessen haben oder ob mal wieder einer dieser Regierungsführer einen wenig durchdachten Kommentar abgelassen hat. Beides falsch, denn vor genau einer Woche fand der internationale Mädchentag, von der UN auch als „International Day of the Girl Child“ bezeichnet, statt.

Doch worum ging es genau und was hat sich in der Zwischenzeit verändert? Ist der Tag nur eine weitere Ergänzung, um den Muttertag mit den Bollerwagentouren in Einklang zu bringen?

Das Problem

Dass es hier um weitaus mehr als die Logistik von Brauereiprodukten geht, lässt sich bei näherer Recherche herausfinden. Plan International heißt die Organisation, welche sich für Mädchenrechte stark macht und für die an diesem Tag illuminierten Bauwerke verantwortlich war. Und obwohl pink als Signalfarbe (und vor allem als eine in der Vergangenheit allzu häufig als Gender-spezifisch genutzte Farbe) etwas unglücklich gewählt ist, bleibt die Idee dahinter stark und das Problem schwerwiegend:

Laut Aussage der Organisation wird weltweit noch immer über 130 Millionen Mädchen der Zugang zu Schulen und Bildung verwehrt.
Zudem werden noch immer Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet – und das alle 2 Sekunden.

Gleichberechtigung? Nein, danke.

Angesichts dieser erschütternden Fakten scheinen der Tag und die mit ihm verbundenen Aktionen ihre Berechtigung zu haben: Neben deutschlandweit erleuchteten Wahrzeichen wie beispielsweise dem Altonaer Rathaus oder dem Funkturm in Berlin wurden weltweit im Zuge der Bewegung „I am a Girl“ über 600 Führungspositionen von Mädchen übernommen. In insgesamt über 60 Ländern hatten Mädchen so für einen Tag lang die Möglichkeit, ihnen verwehrte bzw. im Vergleich zu Jungen schwerer zugängliche Positionen und Posten zu bekleiden und sich über das Hashtag #GirlsTakeover auszutauschen. So wurde in Norwegen das Amt der Ministerin für Kinder und Gleichberechtigung übernommen, während in Uganda ein Mädchen die Rolle der Polizeichefin übernahm.

Aufmerksamkeit ist gut, aber was kommt dann? Mehr als eine Woche später scheint sich kaum jemand für die erleuchteten Gebäude zu interessieren. Es muss mehr kommen, dauerhafte Diskussionen angeregt und Zustände angeprangert werden, um jegliche Form der Veränderung hervorzurufen. Gleichberechtigung muss ein offener Grundsatz sein der nicht nur durch Phrasen propagiert, sondern durch Taten belegt wird.

Aber hier offenbart sich das Problem: Viele Menschen sprechen sich gar nicht erst offen für Gleichberechtigung aus; unter ihnen ein großer Anteil von Männern. Denn obwohl vor allem (aber nicht nur) Frauen an mangelnder Gleichberechtigung scheitern, könnten Männer aus ihrer prädestinierten und über Jahrhunderte lang gefestigten Position heraus unterstützend und fördernd wirken. Sie könnten, sofern sie wollten. Und obwohl sich einige von ihnen durch Aktionen wie dem Girls Takeover und dem internationalen Mädchentag der Gleichberechtigung von Frauen und sich als weiblich identifizierenden Bürgerinnen verschrieben haben, reicht das momentan noch nicht aus.

Gleichberechtigung – die Zukunft

Als Frau bin ich mehr als nur pink; weitaus mehr als ein bloßes Hashtag der nötig sein muss, um sich öffentlich mit der Thematik auseinander zu setzen. Ich will unbequem sein, ohne als launisch abgestempelt zu werden; möchte an Debatten Teil haben, ohne gleich als Opposition abgestempelt zu werden. Bin mehr als nur ein Körper, dessen Hülle zum Ausführen geeignet ist.

Denn anstatt die eigene Kraft für Ideen, Projekte oder Diskurse einzusetzen, verwendet eine Vielzahl von Frauen ihre Ressourcen noch immer damit, sich überhaupt Gehör zu verschaffen.

Frauen sind viel mehr als nur die Farbe pink.
Sie sind das, was sie selbst entscheiden zu sein und weitaus mehr als ihnen zugetraut wird.

Gleichberechtigung ist mehr als nur ein Hashtag.
Es ist das Loslassen althergebrachter Rollenbilder; viel mehr als nur ein erzwungenes Dasein als Hausfrau und Mutter.

Und mangelnde Gleichberechtigung liegt auch in hochentwickelten Industrienationen vor und äußert sich nicht nur durch Zwangsheirat oder einem verwehrten Zugang zu Bildung:

Es ist das unnachgiebige Verhandeln von Gehaltsvorstellungen trotz erstklassiger Abschlüsse;
Das sich über-den-Mund-Fahren-lassen-müssen vor Kunden trotz bester Ausbildung und Fähigkeiten.
Es ist die erschütternde x-te abgelehnte Bewerbung nach Babypause oder Familien-Time- Out
oder die Ablehnung, weil man „eben eine Frau“ ist.
Zu guter Letzt sind es oftmals auch die im Vergleich zu Männern reduzierteren Rentenansprüche, weshalb vielen erst im Alter die fehlende Gleichberechtigung vor Augen geführt wird.

Obwohl die Problematik offensichtlich nicht innerhalb einer Woche aus der Welt geschaffen werden kann, fangen Veränderungen im eigenen Umfeld an. Es liegt an uns allen, Gleichberechtigung auf den Weg zu bringen.

Katharina

Punk-Rock ruined her life! Verließ nach dem Studium fluchtartig die westfälische Provinz, um in der Welt von Glanz & Gloria hinter der Kamera am Rad zu drehen. In der Freizeit zieht sie zwecks Muskelaufbau des Öfteren um oder mit dem Rennrad umher; Endziel: Sternburg-Äquator. Schreibt hier für die Jugend vor allem über Politik.

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