Lesbisch-Schwule-Filmtage: Ein besonderes Erlebnis

Seit 28 Jahren findet Deutschlands größtes quere Filmfest in Hamburg statt. Dieses Jahr waren die Lesbisch Schwulen Filmtage vom 17.-22. Oktober 2017. Dort treffen sich Menschen unterschiedlicher Sexualität um gemeinsam Filme zu schauen. Allesamt zum Thema Homosexualität, bi- oder transgender und generell alles, was quer ist. Ich habe mir den Kurzfilmblock „Ursula Gender Bender“ angeschaut und mit Sebastian Beyer gesprochen.

 

Naveen fühlt sich weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig. Ihre Geschichte beginnt in Indien und wird in dem Kurzfilm Escaping Agra erzählt. Little Potato handelt von einem Jungen, der in der konservativen früheren Sowjetunion aufwächst und irgendwann feststellt, dass er schwul ist. „Ursula Gender Bender“ zeigt 85 Minuten lang diese und noch fünf weitere Kurzfilme zum Thema Geschlecht, Sexualität und ihre gesellschaftlichen Schranken. Es ist Teil der 28. Lesbisch Schwulen Filmtage (LSF) in Hamburg. „Die meisten Filme, die für das Kino produziert werden, ignorieren Themen wie lesbisch, schwule, trans-, quere Sache“, erzählt Sebastian Beyer von den LSF. Quere Filmfeste dienen als gute Möglichkeit, solche Filme auch einmal im Kino zu zeigen. Viel wichtiger aber noch: Das gemeinsame schauen. Filmfestivals dienen immer als Treffpunkt und auch wenn man es nicht immer sieht, die deutliche Mehrzahl der Besucher der LSF ist quer.

The Art of my Scars

Alle Kurzfilme des Nachmittages werden im englischen Original gezeigt. Die meisten sind untertitelt. Fuckgirls ist da eine Ausnahme, denn es ist ein schwedischer Film, der in englisch untertitelt wurde. Vor ihm wird zu Beginn des Blocks gewarnt, denn er zeigt einige krassere Gewaltszenen, gegen die sich drei Trans*Frauen auflehnen. The Art of my Scars verwandelt ein kleines Mädchen mit Hilfe der Kunst in einen stolzen Trans*Mann.

Ich wundere mich, wie gut die meisten Filme produziert sind und welch krassen Geschichten dort erzählt werden. Mein nächster Gedanke ist: Was passiert jetzt damit?

„Es gibt manche Filme, die kommen ins Kino, zum Beispiel God‘s own Country oder 120 beats per minute“ erklärt Beyer. Bei den Kurzfilmen von „Ursula Gender Bender“ sollte man wahrscheinlich eher online nach Veröffentlichungen schauen.

Es geht nicht darum, etwas zu erreichen

Nach 28 Lesbisch Schwulen Filmtagen muss das Thema doch in der Filmbranche angekommen sein, denke ich. Sebastian Beyer verdeutlicht darauf hin, dass die LSF gar nicht primär etwas verändern wollen. „Es ist immer noch so, wenn man sich die große Film- und Kinowelt anguckt, dass die meisten Filme von weißen homosexuellen Männern gemacht. Man kann ja schon davon anfangen, wie viele Filme eigentlich von Frauen gemacht werden. Bei queren Filmen ist die Anzahl noch verschwindend geringer. Deswegen weiß ich gar nicht, ob so ein Festival irgendetwas verändern will, so ein Festival will eher das, was sonst nicht zu sehen ist, zusammenpacken und zeigen.“

„Ursula Gender Bender“ hat mich als aufgeklärten, heterosexuellen Mann nicht nur berührt, sondern auch zur Beschäftigung mit dem Thema angeregt. Das Gespräch mit Sebastian Beyer lies mich nachdenklich zurück, weswegen ich nach einem interessanten Nachmittag etwas zerstreut auf die Toilette zum Sitzen und Stehen ging, bevor ich das Kino verließ.

Marco

hat irgendwas mit Medien an der Küste studiert und lebt nun in Hamburg, um in der Stadt seiner Träume eine Ausbildung zu absolvieren. Wer auf der Suche nach einem lustigen Spruch ist, ist bei ihm genau an der richtigen Adresse.

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