Warum Star Wars nicht gleich Star Wars ist…

„Die letzten Jedi“, der achte Teil der Saga, spaltet die Fans.

Kritiker vs. Hardcore-Fans

Manche halten den Film für wegweisend, andere wiederum sind schwer enttäuscht. Disney selbst schien sogar schon vor dem Release sehr überzeugt vom Regisseur Rian Johnson zu sein – dieser bekam kurzerhand seine eigene Trilogie anvertraut. Ganz andere Töne schlugen aber die Hardcore-Fans an. Viele bemängeln die unoriginelle Geschichte, einige stoßen sich an den sogenannten Porgs – das neue Equivalent zu den Ewoks aus Episode 6. Fest stehen tut wohl nur eines: Es ist der polarisierendste „Star Wars“-Film überhaupt. Zunächst überschlugen sich noch die Kritiken mit Lobeshymnen, doch nach der weltweiten Premiere wurden diese Stimmen immer leiser. Aber woran liegt das? Was macht dieser Film so anders, dass er die Erwartungen der Fans nicht erfüllen kann? Und vor allem – die wahrscheinlich wichtigere Frage – welche Rolle spielt Disney im kreativen Entstehungsprozess der neuen Saga?

„Wer ist Snoke?“

Als eingefleischter „Krieg der Sterne“-Fan ging es mir wahrscheinlich wie vielen anderen, als ich im Dezember vergangenen Jahres aus dem Kino kam. Ich wusste erstmal gar nicht wohin mit meinen Gefühlen. Dieser Film hat Ambitionen! Doch kann er sie alle erfolgreich umsetzen? Die ernüchternde Antwort: Eher nicht.

Spätestens seit der Prequel-Trilogie lebt das „Star Wars“-Fandom von Theorien und weiter gesponnenen Geschichten. Und als Disney 2012 das sogenannte „Extended Univers“ (Fan-Fictions und offizielle Hintergrundgeschichten) für Nicht-Kanon erklärte, war wieder viel Spielraum für viele ausgeflippte Ideen. Diese erreichten in zahlreichen Youtube-Videos und Forum-Einträgen ihren Höhepunkt, als 2015 der siebte Teil eine neue Sternenkrieg-Ära einläutete. Was ließ „Das Erwachen der Macht“ nicht alles für Fragen offen. „Wer ist Snoke?“, „Wer sind Reys Eltern?“ und „Wer sind die Ritter von Ren?“ waren nur die Spitze des Eisbergs. Wer Episode 8 nun gesehen hat, der weiß wie enttäuschend die Antworten auf diese Fragen waren – ausgetauscht durch drittklassiges Storytelling und ein paar äußert merkwürdige Wendungen. Von der inflationären Verwendung des Slapstick-Humors braucht man gar nicht erst anzufangen (und wir dachten beinahe, es hätte jemand aus Jar Jar Binks gelernt). Und wer um alles in der Galaxis hat einen weinerlichen Kylo Ren als Nachfolger von Darth Vader ausgewählt?! Aber es gab auch Lichtblicke. Wie schon im vorherigen Teil wurde ein interessanter Konflikt zwischen der hellen und dunklen Seite der Macht geschürt. Mark Hamill macht als Luke Skywalker einen mehr als überzeugenden Job und man darf sich im Ende des zweiten Drittels über einen ziemlich coolen Cameo freuen.

Ob man „Star Wars 8“ also als guten (helle Seite) oder schlechten (dunkle Seite) Film einordnen kann, bleibt wohl eher unbeantwortet, bzw. hängt ganz vom Geschmack des Zuschauers ab. Man muss also abwarten, was J. J. Abrams aus der neunten Episode macht, um sich ein endgültiges Urteil machen zu können/dürfen.

Er war noch ein richtiger Bösewicht – Darth Vader, der dunkle Lord der Sith.

Disney – Segen oder Fluch?

Die Firma, benannt nach der Zeichentrick-Legende, kann aber auch anders. Das zeigte uns 2016 das Spin-Off „Rogue One“. Das fühlte sich an wie „Star Wars“ und das nicht nur, weil durch das Setting (kurz vor Episode 4) auch noch ein gewisser Nostalgie-Faktor mitschwingt. Nein, der Film selbst ist einfach verdammt gut. Das ist erwachsenes Kino mit einer gesunden Prise Humor. Doch wie können sich die Filme so vollkommen unterschiedlich anfühlen, wenn doch Disney bei allem das Sagen hat? Wie uns die Nachdrehs zu „Rogue One“ und zum kommenden „Han Solo“-Spin-Off gezeigt haben, schreckt die Chef-Etage nämlich nicht davor zurück in den kreativen Prozess einzugreifen. Warum verkommt die Hauptreihe also zu einem mittelmäßigen, gut verdaulichen Kinder-Action-Kino, während die Spin-Offs sich auch ausgefallenere Sachen trauen?

Die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen dem Erfolg der Marvel-Filme und dem Ruf, den Disney zu verlieren hat. Humor verkauft sich. Denn jeder lacht gerne. Weniger versucht Disney auch auf die Fans zu setzen, die „Star Wars“ schon hat, sondern scheint eine neue Generation von Skywalker-Jüngern großziehen zu wollen – die Zielgruppe sind Kinder. Die Kinder, die später einmal ihr eigenes Geld verdienen und damit an den Kino-Kassen stehen werden. Klingt logisch, oder? Zwar wird versucht die Brücke zu schlagen, zwischen alten, neuen und ganz neuen Fans. Auch hier wird versucht am Nostalgie-Faktor zu kitzeln. Aber die sogenannte „Erste Ordnung“ ist nun mal nicht das übermächtige Imperium, nur weil sie so aussehen. Und „Star Wars“ ist auch nicht gleich „Star Wars“, nur weil es vorne drauf steht.

Möge die Macht mit euch sein!

Alexander

ist zuhause und Student in seiner Heimatstadt Berlin. Kennedy's berühmter Satz könnte demnach auch von ihm stammen. Wenn er nicht grad mit der U-Bahn durch die Stadt fährt oder studiert, schreibt er Beiträge für Briskly.

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